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„Alle Huuchachtung, Monsignore“

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 19. Januar 2009
Es hat sich herumgesprochen. Wird der Rekeliser-Orden verliehen, dann ist das nicht eine Pflichtveranstaltung für lokale Honoratioren, sondern ein kabaretthafter Heimatabend im Karneval, der Neuss und den Neussern den Spiegel vorhält, die kleinen und großen menschlichen Schwächen benennt, doch dabei immer liebevoll bleibt, so dass auch die „großen Tiere“ aufrecht den Saal verlassen können.

Unter diesen Vorzeichen erfüllte die 32. Auflage am Freitag die Erwartungen (die NGZ berichtete). Das Fassungsvermögen des schmucken S-Forums der Sparkasse schöpften über 300 aufgeräumte Gäste aus, da nutzte Direktor Reinhard Tiefenthal als Hausherr seine Begrüßungsrede, um angesichts der weltweiten Finanzkrise augenzwinkernd Werbung in eigener Sache zu proben: „Wie gut, dass Sie heute Abend nicht bei einer Bank, sondern bei der Sparkasse zu Gast sind.“

Nach einer kurzen karnevalistischen Overtüre mit Stimmungsliedern, vorgetragen von Uwe E. („Ne kölsche Jung“), Besuch des singenden Prinzen Jörg und seiner Novesia Elvira sowie der BKG-Tanzgarde, war die Bühne für die Protagonisten bereitet. Den Anfang machte Bürgermeister Herbert Napp, der daran erinnerte, dass der Orden meist nur an Solo-Rekler vergeben wurde. Eine Ausnahme machten die Gebrüder Dienst (1982), Heinz und Marianne Ackermann (1994) und das legendäre ABC-Trio, auf dessen Auftritt beim „Nüsser Ovend“ nach langer Abwesenheit sich viele Neusser freuten.

Wer genau hinschaue, der entdecke, so Napp, dass das „Rekeliser“ auch in diesem Jahr wieder einmal doppelt vergeben werde: „Zum einen darf sich Monsignore Robert Kleine über diese hohe Auszeichnung freuen. Zum anderen ehrt der Elferrat aber auch den heiligen Quirinus.“ Vier Mal war Kleine beim „Nüsser Ovend“ in die Rüstung des Stadtpatrons gestiegen, um dem Neusser Heiligen beim „Ovend“ eine Stimme zu geben. Kleine (41), im „Lukas“ geboren und im Dreikönigenviertel aufgewachsen, ist heute Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat des Erzbistums Köln. Kleine wurde als vierter katholischer Geistlicher nach Msgr. Dr. Hans Dieter Schelauske (1986), Dechant Heinrich Pilligrath (1990) und Msgr. Jochen Koenig (2002) mit dem seit 1978 (Rudolf Haeffs) verliehenen Orden ausgezeichnet.

Durchgängig in Mundart beschrieb Laudator Heinz Gilges (77) den Lebensweg des neuen Ordensritters nach, in dem er „ne Himmelsstürmer“ sieht, der aber „möt beide Behn op de Eed“ bleibt: „Rekele ze künne, wenn et annjebreit es, äver ze versöhne, wenn et an d’r Ziet es. Un de Welt ze erobere, äver sind Heimotstadt treu ze blieve.“ Gilges Fazit ging im Beifall unter: „Alle Huuchachtung, Monsignore. Mer Nüsser sind stolz op öch!“

Mit einem rhetorischen Feuerwerk belegte Msgr. Kleine anschließend, dass er das „Rekeliser“ völlig zu Recht erhalten hatte. Er nahm das Auditorium mit auf eine 40-minütige gesellschaftspolitische Reise durch die Stadt Neuss - eine Liebeserklärung, die auch die Schwächen einschließt: „Herbert Napp hat jetzt die Weichen für eine florierende Innenstadt gestellt. Eine am Markt und eine an der Kasserolle.“
19.01.2009

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