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Der Neusser als Cuvee

NGZ vom 14. Januar 2008
Foto: NGZ-Online
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1978 - der erste Rekeliserorden geht an Rudolf Haeffs. Im selben Jahr gründet Heinz Gilges mit einigen jungen Mistreitern den Grenadierzug „Wendsläpper“. Zwei Ereignisse, die damals von einander keine Notiz nahmen, erweisen sich - als sie drei Jahrzehnte später zueinanderfinden - als eine wunderbare Mischung: Über 300 Gäste erlebten am Freitag im S-Forum der Sparkasse einen Rekeliser-Abend, der seinen Namen verdiente. Karl Werner hat 28 von 31 Ordensverleihungen besucht. „Wir haben viele gute Veranstaltungen erlebt“, erinnert sich Werner, der dem Elferrat der gastgebenden Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Heimatfreunde angehört, „aber der Jahrgang 2008 gehört zum Besten, was ich gesehen und gehört habe.“

Der Erfolg hat viele Väter. In diesem Fall drei überdurchschnittliche Redner. Das Feld bereitete Bürgermeister Herbert Napp (61), der als „Rekeliser“ des Jahres 2000 einen Blick in die Arbeit der Findungskommission gewährte. Sei der demokratische Prozess in den Jahren eines BKG-Präsidenten Ernst Freistühler meist an seine Grenzen gestoßen („Ich stehe da im Wort!“), so ermögliche der amtierende BKG-Chef Dr. Christian Henke heute den Bewerbern, bei der Sessionseröffnung vorzusprechen. Achim Tilmes (60), der im Vorjahr als Ordensträger brillierte, stellte dieses Mal als Laudator den neuen Ordensritter vor. Er sah sich verpflichtet „lauter Nettigkeiten“ zu sagen, obwohl „ech de Lütt doch völl levver no Nüsser Aat dörch d’r Kakao trecke“ würde. Was Tilmes unter Nettigkeiten versteht, machte er deutlich, als er Heinz Gilges als neues Mitglied im Ordenskapitel vorstellte. Der sei „bereits Anfang der 50er Jahre ein 68er“ gewesen, „ließ sich die Haare wachsen, lief in exotischen Klamotten und am liebsten mit einer Planrolle unter dem Arm herum und opponierte gegen das kleinbürgerliche Spießertum“.

Mit Heimatliebe und Herz nähert sich Heinz Gilges heute der Stadt, dem Neusser und seinen Schwächen: „He weeß immer, wie et nit jeht, he is stolz, weeß ävver nit jenau wodrup un is ne joode Chris, ävver nur, wenn et nit wieh däht, denn et Jeschäft jeht vör.“ In seiner Rede ging Gilges den Fragen nach, „we es d’r Nüsser, wo kütte her, wat hätte füne Stammboom?“ Er zeichnete Neuss als Mischtiegel verschiedenster Völker und kommt zum Ergebnis, dass der Neusser im Grunde ein „Cuvee“ ist. Und dieser Prozess ist für ihn längst nicht abgeschlossen: „Dont Napp und Patt sech jot verdrage, wöd m’r zum Türk och Nüsser sage.“ Gilges’ Liebeserklärung an sein Neuss war zugleich auch ein Plädoyer für Toleranz und Weltoffenheit sowie eine Absage an Geiz und Wagenburgmentalität.

Ein starkes Kapitel dieser Ordensverleihung schrieben die „Wendsläpper“, die ihrem Motor und Mentor unter der Regie von Walter „Pinky“ Steinhäuser ein Stück Zugleben präsentierten. Sie bescheinigten ihrem Damenwart, die Herzen der stolzesten Frauen zu brechen - ehe der „Wendsläpper“-Blues ertönte.
14.01.2008

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